Vier Jahre lang stand im Bezirk Jaworiw eine Geisterschule: Die Wände waren errichtet, ein Dach fehlte, und drinnen wuchs Unkraut statt Schulbänken und Tafeln. In den Papieren des Stadtrats lebte währenddessen ein ganz offizieller Vertrag über 60 Millionen Hrywnja weiter. Die Kündigung des Bauvertrags für dieses Objekt ist eine Nachricht, die auf den ersten Blick nur einen Ort betrifft – in Wirklichkeit aber Hunderte ähnlicher „eingefrorener” Verträge, die im ganzen Land noch immer auf dem Papier als aktiv gelten.
Für öffentliche Auftraggeber, Gemeinderäte und Bauunternehmen ist diese Geschichte mehr als nur eine Zeile aus der Gerichtschronik. Sie zeigt, wie ein formal einwandfreies Dokument jahrelang den völligen Stillstand einer Baustelle verschleiern kann – und wie die Staatsanwaltschaft dort endlich einen Schlussstrich gezogen hat, wo die lokale Verwaltung lieber schwieg und die Papiere „für alle Fälle” weiterlaufen ließ.
Vertragskündigung beim Schulbau: Die Chronologie in Schklo
Die Geschichte der Siedlung Schklo im Bezirk Jaworiw zeigt, wie weit die Kluft zwischen Papier und Realität reichen kann. Das haben offizielle Quellen festgestellt und bestätigt:
- Siedlung Schklo, Gemeinde Nowojaworiwsk, Gebiet Lwiw;
- ein im Rahmen einer offenen Ausschreibung geschlossener Vertrag über den Bau einer Bildungseinrichtung im Wert von fast 60 Mio. Hrywnja zwischen dem Stadtrat von Nowojaworiwsk und dem Auftragnehmer;
- reale Bauarbeiten fanden nur bis 2022 statt;
- in den Jahren 2023–2026 wurde das Objekt faktisch weder finanziert noch weiterbebaut;
- Ende 2022 unterzeichneten die Parteien eine Zusatzvereinbarung, die die Vertragslaufzeit um weitere vier Jahre verlängerte – obwohl der Stadtrat bereits wusste, dass keine Mittel für die Fortsetzung der Arbeiten vorhanden waren;
- Preis und Arbeitsumfang wurden während dieser Zeit nie überprüft, der Vertrag selbst blieb formal in Kraft;
- die Bezirksstaatsanwaltschaft Jaworiw reichte Klage ein, um die Zusatzvereinbarung für ungültig erklären zu lassen.
Genau dieses Gerichtsurteil lieferte den Grund, von einer Kündigung des Bauvertrags zu sprechen – die Mittel gingen letztlich nicht verloren, sondern blieben im Gemeindehaushalt, statt jahrelang auf dem Papier als angeblich laufendes Projekt zu „hängen”.
Warum öffentliche Beschaffung im Bauwesen solche Kontrolle braucht
Dieser Fall ist nicht wegen der Summe wichtig – 60 Millionen sind angesichts milliardenschwerer Wiederaufbauprogramme kein Rekord. Wichtig ist der Präzedenzfall: Eine Zusatzvereinbarung, die „für alle Fälle” ohne reale finanzielle Deckung unterzeichnet wird, ist weder für den Auftragnehmer noch für den Gemeinderat ein Freibrief. Während die Ukraine jeden Monat neue Verträge für den Wiederaufbau von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern abschließt, erinnern genau solche Überprüfungen daran: Hinter jeder Unterschrift muss ein realer Bauzeitplan stehen, nicht nur die Absicht, ihn irgendwann einmal umzusetzen.
Für Bauunternehmen, die mit öffentlichen Auftraggebern zusammenarbeiten, ist das ein Signal, das eigene Portfolio an „langlaufenden” Verträgen zu überprüfen, bevor es die Staatsanwaltschaft tut. Öffentliche Baugelder vertragen keine Unklarheit: Entweder wächst das Gebäude Stockwerk für Stockwerk, oder das Geld muss dorthin zurückfließen, wo es hergekommen ist – in den gemeinsamen Haushalt der Gemeinde, die auf eine neue Schule wartet.
Die Geschichte von Schklo erinnert daran, dass hinter jeder wiederaufgebauten Schule nicht nur Beton und Bewehrungsstahl stehen, sondern auch die Transparenz eines Vertrags und Verantwortung in jeder Phase. Bei „SpecServis” gilt genau diese Disziplin als Fundament eines echten Wiederaufbaus – eines Wiederaufbaus, der mit einem neuen Dach endet und nicht mit einem Gerichtsverfahren.
Quelle: ZAXID.NET

