11.08.2026

Sanierung des U-Bahn-Tunnels in Kyjiw: Ausschreibung über 1,76 Milliarden Hrywnja

Täglich fahren Tausende Kyjiwer mit der U-Bahn unter dem Stadtteil Podil, ohne zu ahnen, dass die Betonauskleidung des Tunnels über ihren Köpfen älter ist als ihre Eltern. Der Tunnel zwischen den Stationen „Tarasa Schewtschenka” und „Potschaina” wurde 1978–1980 unter schwierigen hydrogeologischen Bedingungen gebaut – und nach mehr als vier Jahrzehnten Grundwasser, Erschütterungen und täglicher Belastung wartet er nun endlich auf seine Generalsanierung. Genau diese Tunnelsanierung wurde diese Woche zu einer der wichtigsten Infrastruktur-Ausschreibungen Kyjiws.

Für die Stadt ist es ein seltener Fall, dass über unterirdische Infrastruktur laut und frühzeitig gesprochen wird – und nicht erst nach einem Unfall. Genau deshalb ist diese Nachricht nicht nur für Fahrgäste interessant, sondern für alle, die mit öffentlichen Auftraggebern arbeiten: Sie zeigt, wie ein geordneter Weg von der Zustandsuntersuchung eines Objekts bis zur tatsächlichen Baustelle aussehen sollte.

Ausschreibung auf Prozorro: Was die Generalsanierung des U-Bahn-Tunnels kostet

Der städtische Betrieb „Kyjiwer Metropolitan” hat eine Ausschreibung für die Rekonstruktion dieses Abschnitts veröffentlicht. Die Beschaffung erschien am 7. August 2026 im System Prozorro – und wurde damit zu einer der größten Ausschreibungen im Bereich der städtischen unterirdischen Infrastruktur der letzten Zeit.

Die wichtigsten Zahlen des Projekts:

  • Auftragswert der Ausschreibung: 1,76 Milliarden Hrywnja inklusive Mehrwertsteuer
  • Geplante Bauzeit: bis zu 23 Monate, also fast zwei Jahre
  • Der Tunnel wurde 1978–1980 errichtet
  • Die Untersuchung bestätigte eine Undichtigkeit der Konstruktionen und Risse in den Tunnelwänden
  • Die Arbeiten umfassen die Verlegung von Versorgungsleitungen, die Bodenverstärkung, die Wiederherstellung der Tunnelauskleidung und des Gleisoberbaus
  • Ein Teil der Arbeiten wird von der Oberfläche aus über offene Baugruben ausgeführt – der Abschnitt liegt mit 6–9 Metern nicht sehr tief
  • Die Sanierung wird in zwei Phasen unterteilt, die zweite sieht die Installation technischer Überwachungssysteme vor
  • Laut Projekt ist keine Einstellung des Zugverkehrs auf der Linie geplant

Warum der Tunnel Tarasa Schewtschenka – Potschaina der Zeit nicht standhielt

Die Erklärung der Ingenieure ist recht einfach. Der Tunnel wurde noch in sowjetischer Zeit geplant und gebaut, als die Normen ganz andere Belastungen und eine andere Verkehrsintensität berücksichtigten als heute. Das Grundwasser von Podil gehört zu den schwierigsten in ganz Kyjiw und hat über Jahre die Abdichtung des Bauwerks untergraben. Als die Untersuchung Risse und Anzeichen von Undichtigkeit feststellte, wurde die Entscheidung für eine Generalsanierung statt einer kosmetischen Reparatur nicht zur Budgetfrage, sondern zu einer Frage der Sicherheit der Menschen, die täglich unter die Erde fahren.

Das ist eine recht typische Geschichte für die unterirdische Infrastruktur postsowjetischer Städte: Ein Objekt funktioniert jahrelang ohne sichtbare Probleme, bis eine planmäßige Untersuchung zeigt, dass die Tragfähigkeitsreserve fast erschöpft ist. Der Unterschied liegt nur darin, wie schnell der Auftraggeber auf solche Signale reagiert – und in diesem Fall fiel die Reaktion prompt aus.

Was das für die Kyjiwer und die Bauwirtschaft bedeutet

Das Wichtigste: Die U-Bahn wird trotz des Umfangs der Arbeiten ohne Betriebsunterbrechung weiterfahren. Für den Auftragnehmer bedeutet das eine komplexere Logistik und straffere Zeitpläne, dafür werden Millionen Fahrgäste die Sanierung auf ihrem täglichen Weg gar nicht bemerken.

Für die Branche insgesamt ist das ein anschaulicher Fall. Der öffentliche Auftraggeber ist bereit, nicht nur Kosmetik, sondern eine vollständige technische Untersuchung und Generalsanierung eines komplexen unterirdischen Objekts zu finanzieren – unter der Voraussetzung einer transparenten Ausschreibung und eines fundierten Projekts. Genau diese Reihenfolge – Untersuchung, Projekt, offene Ausschreibung und erst dann die Baustelle – ist der Standard, der vielen Infrastrukturobjekten des Landes bislang noch fehlt.

Solche Entscheidungen schaffen es selten in große Schlagzeilen, aber auch sie sind Teil des großen Wiederaufbaus: unauffällig, unterirdisch, auf Jahrzehnte ausgelegt. Und genau aus solchen Ausschreibungen – transparent, fundiert, mit einer klaren technischen Aufgabenstellung – entsteht das Vertrauen der Bauwirtschaft in öffentliche Auftraggeber.

Quelle: Economic Pravda

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