31.07.2026

Fernstraße N-31 Dnipro–Reschetyliwka: Die erste Autobahn der Ukraine

Stellen Sie sich eine Fernstraße vor, auf der kein einziges Dorf liegt – keine Ampel in Zarytschanka, kein Stau bei der Einfahrt nach Kobeljaky. Fünf Jahre lang stand diese Straße in den Steppen des Gebiets Dnipropetrowsk als eingefrorene Baustelle. Jetzt läuft dort wieder schwere Technik, und an der Stelle der ehemaligen Ödfläche wächst eine neue Fahrspur der künftigen Trasse.

Es geht um die Fernstraße N-31 Dnipro–Reschetyliwka – ein Projekt, das die Chance hat, die erste echte Autobahn der Ukraine im europäischen Sinne des Wortes zu werden: ohne höhengleiche Kreuzungen, mit Anschlussstellen und Unterführungen statt Ampeln. Für öffentliche Auftraggeber und die Baubranche ist das ein wichtiges Signal: Selbst in Kriegszeiten bleiben große Infrastrukturverträge nicht nur auf dem Papier, sondern bewegen sich real auf der Baustelle.

Was genau im Gebiet Dnipropetrowsk gebaut wird

Die zweite Bauphase der Fernstraße N-31 Dnipro–Reschetyliwka umfasst 30 Kilometer neue Fahrbahn im Wert von 10,6 Milliarden Hrywnja. Der Bau wurde nach einer rund fünfjährigen Pause wieder aufgenommen: Das Projekt war eingefroren worden, bevor es fertiggestellt werden konnte, und die Arbeiten wurden erst jetzt wieder aufgenommen. Zum Vergleich: Es ist eines der teuersten Straßenbauprojekte des Landes der letzten Jahre, und die Strecke N-31 selbst beansprucht den Status der ersten vollwertigen Autobahn – mit getrennten Fahrspuren und Anschlussstellen statt Kreuzungen.

  • Generalunternehmer der zweiten Bauphase ist die Firma „Awtomahistral-Piwden”.
  • Die neue Straße führt an Zarytschanka, Kobeljaky und Reschetyliwka vorbei.
  • Die Trasse wird an die internationale Route M03 Kyjiw–Charkiw–Dowzhanske angeschlossen.
  • Das Projekt wird im Rahmen des staatlichen Programms „Großer Bau” umgesetzt.

Tunnelbau an der Trasse: ein 250-Tonnen-Kran und die ersten Unterführungen

Von den fünf geplanten Unterführungen für Landtechnik und lokale Straßen werden derzeit gleichzeitig vier gebaut. Eine davon – 30 Meter lang mit einem Querschnitt von 6 auf 4,5 Meter – befindet sich bereits in der finalen Montagephase. Um solche Konstruktionen zu errichten, wurde ein 250-Tonnen-Kran Liebherr mit 60 Meter Auslegerlänge auf die Baustelle gebracht und aufgestellt – eine Technik, die man bei einer gewöhnlichen Straßensanierung nicht zu sehen bekommt.

Auf den bereits fertigen Abschnitten arbeiten inzwischen Asphaltiermaschinen: Es laufen Asphaltierung, Abdichtung der Durchlassrohre und Montage der Bordsteine. Laut Auftragnehmer ist eine teilweise Verkehrsfreigabe der zweiten Bauphase noch vor Ende dieses Jahres geplant.

Warum das nicht nur für das Gebiet Dnipropetrowsk wichtig ist

Entscheidend ist hier nicht die Kilometerzahl und nicht einmal die Milliarden, sondern die Tatsache, dass der öffentliche Auftraggeber ein Projekt, das jahrelang nur in der Projektdokumentation existierte, tatsächlich auf die Baustelle gebracht hat. Für die Region bedeutet das neue Logistikmöglichkeiten für Agrarexport und Transit sowie eine geringere Verkehrsbelastung in den Straßen dreier Siedlungen, die bisher im Weg von Lkw und Pkw standen. Für die Baubranche ist das ein Beispiel dafür, wie ein komplexes Ingenieurbauwerk – mit Tunneln und Anschlussstellen statt einer einfachen Asphaltfläche – etappenweise von Auftragnehmern realisiert wird, die auf diesem Komplexitätsniveau arbeiten können. Solche Objekte erfordern nicht nur schwere Technik wie einen 250-Tonnen-Kran, sondern auch Erfahrung im gleichzeitigen Betrieb mehrerer Ingenieurknoten – und das ist längst eine Frage der Qualifikation des Auftragnehmers, nicht nur des Geldes.

Während manche Straßen noch nach dem Winter geflickt werden, werden andere völlig neu gebaut – und genau solche Projekte erinnern daran: Der Wiederaufbau des Landes bedeutet nicht nur die Reparatur des Zerstörten, sondern auch den Bau dessen, was zuvor schlicht nicht existierte.

Quelle: Nasche Misto

 

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