27.07.2026

Nordumfahrung von Schytomyr: Fernstraße M-06 wird vierspurig

Neun Jahre lang veranschaulichte dieser Straßenabschnitt live das Sprichwort „Versprochenes wartet man drei Jahre” – nur dass hier dreimal so lange gewartet wurde. Fahrer, die täglich die Nordumfahrung von Schytomyr auf der Fernstraße M-06 Kyjiw–Tschop passieren, sahen jahrelang dasselbe Bild: zwei enge Fahrspuren, eine endlose Kolonne von Lkw und keine Anzeichen dafür, dass die seit 2020 unvollendete Straße jemals anders aussehen würde.

Ende Mai 2026 tauchte auf der Umfahrung wieder Baugerät auf – zum ersten Mal seit sechs Jahren tatsächlicher Bewegung auf der Baustelle. Für Zehntausende Fahrer, die täglich das Gebiet Schytomyr auf dem Weg zur polnischen Grenze durchqueren, und für die lokale Verwaltung, die den Bewohnern jahrelang erklären musste, warum die Straße vor ihrer Haustür unvollendet blieb, ist das eine Nachricht, auf die man seit 2020 gewartet hat.

Nordumfahrung von Schytomyr: Was sich auf der M-06 ändert

Der Abschnitt zwischen den Verkehrsknotenpunkten „Schytomyr-Ost” und „Schytomyr-West” – Kilometer 129,6 bis 151,73 der Fernstraße M-06 – gilt offiziell als engste Stelle der gesamten internationalen Route Kyjiw–Tschop. Das Projekt sieht eine Erweiterung der Fahrbahn von zwei auf vier Spuren vor: zwei Spuren à 7,5 Meter je Richtung mit einem Mittelstreifen dazwischen. Insgesamt sollen rund 22 Kilometer Straße auf die Kategorie I-B gebracht werden.

  • Auftragnehmer ist die türkische Firma Onur, die die Ausschreibung im Frühjahr 2026 gewonnen hat.
  • Die Arbeiten begannen Ende Mai 2026.
  • Der Vertrag ist in drei Bauabschnitte unterteilt: der erste kostet 313,37 Millionen Hrywnja, der zweite 548,27 Millionen Hrywnja, der dritte (noch nicht unterzeichnet) rund 1,42 Milliarden Hrywnja.
  • Stand 23. Juli 2026 läuft laut dem Dienst für Wiederaufbau und Infrastrukturentwicklung im Gebiet Schytomyr die Vorbereitung des Untergrunds für die Fahrbahnverbreiterung.
  • Nach Abschluss der Rekonstruktion soll die zulässige Geschwindigkeit auf dem Abschnitt auf 110 km/h steigen.

Sechs Jahre Stillstand: Warum das Projekt ins Stocken geriet

Die Geschichte dieser Rekonstruktion ist ein Lehrbeispiel dafür, wie aus einem staatlichen Auftrag ein Bauruinen-Projekt werden kann. Die chinesische Firma Sinohydro begann die Arbeiten bereits im November 2017 und sollte die Straße bis Juni 2020 fertigstellen. Ukrawtodor kündigte den Vertrag wegen Terminverzugs und mangelnder Bauqualität – doch ein internationales Schiedsgericht erklärte die Kündigung später für rechtswidrig und verpflichtete die Ukraine, dem Auftragnehmer 10,3 Millionen Euro an Bankgarantien zurückzuzahlen. Das Projekt hing jahrelang in der Luft, und die unvollendete Trasse blieb sowohl für Fahrer als auch für die Gebietsverwaltung ein Dauerproblem.

Die neue Ausschreibung und der neue Auftragnehmer sind nicht einfach ein Wechsel der ausführenden Firma. Es ist ein Test dafür, ob der Staat ein Projekt zu Ende bringen kann, das ihn bereits Ansehen und Millionen Euro an Entschädigung gekostet hat.

Was Fahrer und Anwohner davon haben

Nach Abschluss der Rekonstruktion wird der Transitverkehr – überwiegend Lkw auf dem Weg zur Westgrenze – endgültig an der Stadt vorbei- statt durch sie hindurchgeführt. Das bedeutet weniger Stau in den Straßen von Schytomyr selbst, eine höhere Kapazität des internationalen Korridors und, laut Einschätzung der Straßenbauer, weniger Unfälle auf einem Abschnitt, der jahrelang zu den problematischsten der M-06 zählte.

Für die Branche ist das auch ein Signal: Groß angelegte Infrastrukturverträge, die wegen eines unzuverlässigen Auftragnehmers zum Stillstand kamen, können und sollten neu gestartet werden, statt als gescheitert abgeschrieben zu werden. Jede zu Ende gebaute Straße ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Wiederaufbau des Landes nicht nur in den Nachrichten, sondern auch im Asphalt unter den Rädern voranschreitet.

Quelle: LIGA.net

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