14.07.2026

Erster unterirdischer Kindergarten in der Ukraine: Wie das Gebiet Charkiw die Kindheit schützt

Stellen Sie sich einen Kindergarten vor, in dem der sicherste Raum nicht der Schlafraum und nicht das Spielzimmer ist, sondern ein Bereich einige Meter unter der Erdoberfläche, in den die Erzieherin die Kinder an der Hand führt, so alltäglich wie zu einem Spaziergang. Für die Siedlung Pisotschyn bei Charkiw ist dieses Bild längst keine Fantasie mehr: Hier ist der erste unterirdische Kindergarten der Ukraine in Betrieb gegangen.

Für eine frontnahe Region, in der die Luftalarmsirene ebenso zum Tagesablauf gehört wie das Mittagessen und die Mittagsruhe, geht es bei dieser Lösung nicht um architektonische Exotik. Es geht darum, ob ein Kind diesen September in den Kindergarten gehen kann, oder ob die Eltern wieder schlaflos und ohne Arbeit zu Hause bleiben und die Kleinen während der Beschüsse zu Hause behalten müssen. Deshalb ist die Nachricht nicht nur für die Charkiwer interessant, sondern für jede Gemeinde, die den Bau sozialer Infrastruktur unter Kriegsbedingungen plant.

Unterirdischer Kindergarten im Gebiet Charkiw: die wichtigsten Zahlen

Über die Eröffnung des Objekts berichtete der Leiter der Charkiwer Gebietsmilitärverwaltung Oleh Synjehubow, die Information wurde von mehreren unabhängigen Medien bestätigt. Das ist sicher bekannt:

  • die Einrichtung in Pisotschyn ist für 260 Kinder ausgelegt;
  • der Bau kostete 168 Mio. UAH, die Mittel stammen aus dem Staats-, Gebiets- und Kommunalhaushalt;
  • unter der Erde wurden 8 Lerngruppen, ein Arztzimmer, eine Kantine, Sanitär- und Duschräume eingerichtet;
  • der unterirdische Teil ist durch sichere Übergänge mit den oberirdischen Gebäuden verbunden – die Kinder gelangen in den Schutzraum, ohne nach draußen zu gehen;
  • erstmals in der Ukraine wurde in einem solchen Kindergarten eine spezielle Gruppe für Kinder mit besonderen Bildungsbedürfnissen eröffnet;
  • für die freien Plätze wurden bereits über 250 Anträge eingereicht.

Was sich unter der Erde verbirgt

Formal handelt es sich um einen Schutzraum mit doppelter Zweckbestimmung. An normalen Tagen finden hier Unterrichtsstunden statt wie in jedem Kindergarten: Malen, Basteln, die ersten Buchstaben lernen. Wenn der Alarm ertönt, wird derselbe Raum sofort zum Bombenschutzraum – ohne Evakuierung der Kinder in ein Nachbargebäude oder einen Keller über den Hof, ohne die Minuten, die in einer kritischen Situation am meisten zählen. Die acht Gruppenräume, das Arztzimmer und die Kantine reichen aus, damit die Einrichtung auch mehrere Stunden hintereinander autonom funktionieren kann.

Besonders erwähnenswert ist die Sondergruppe für Kinder mit besonderen Bildungsbedürfnissen – ein solches Format gab es in unterirdischen Bildungseinrichtungen der Ukraine bisher schlicht nicht. Das bedeutet, dass die sichere Bildung in Pisotschyn nicht selektiv, sondern für alle Kinder der Gemeinde zugänglich ist.

Ein Präzedenzfall für andere Gemeinden

Der Kindergarten in Pisotschyn ist kein Einzelexperiment. Im benachbarten Derhatschi wird ein ähnliches Objekt gebaut, und Charkiw hat bereits einen Vertrag über einen eigenen unterirdischen Kindergarten im Wert von 221,2 Mio. UAH mit Fertigstellung bis Ende 2027 unterzeichnet. Das Modell, das an 168 Millionen UAH und wenigen Baumonaten erprobt wurde, entwickelt sich zu einer Standardlösung für frontnahe Gebiete – mit fertiger Kostenkalkulationslogik, verständlichen Anforderungen an den Auftragnehmer und einem für den Auftraggeber nachvollziehbaren Ergebnis.

Für die Branche ist das ein wichtiges Signal: Ein staatlicher Auftrag für solche Objekte ist kein einmaliges Pilotprojekt mehr, sondern eine Richtung, für die es bereits ein realisiertes Beispiel, einen konkreten Preis für geschützten Raum und eine Warteschlange interessierter Gemeinden gibt. Wenn eine Schule oder ein Kindergarten unter der Erde tatsächlich in Betrieb geht und nicht nur auf dem Papier existiert, verändert das die Diskussion von „Ist das überhaupt möglich” zu „Wer schafft das schneller und besser”.

Jedes solche Objekt ist ein kleiner, aber spürbarer Baustein dafür, wie das Land lernt, für das Leben zu bauen, selbst wenn die Sicherheit die Bedingungen vorgibt.

Quelle: Interfax-Ukraine

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