Stellen Sie sich einen Morgen vor, an dem im gesamten Gebiet schon seit sechs Stunden der Strom ausgefallen ist, aus dem Wasserhahn aber trotzdem Wasser fließt – nicht aus einem herangefahrenen Tankwagen, sondern einfach, weil das System genau für solche Tage ausgelegt wurde. Für Millionen Ukrainer klingt das bislang nach Luxus. Der Staat sagt: Bis zum Winter soll das zur Norm werden. Das Schlüsselwort dabei ist autonome Wasserversorgung für Gemeinden, und genau darauf wird jetzt der Hauptfokus gesetzt.
Den Start des groß angelegten Programms verkündete der Vizepremierminister für Wiederaufbau, Minister für Entwicklung von Gemeinden und Territorien Oleksij Kuleba. Das ist keine punktuelle Reparatur in einer einzelnen Stadt, sondern eine systematische Antwort auf zwei Jahre Angriffe auf Objekte kritischer Infrastruktur: Wenn der Feind Umspannwerke trifft, bleiben Wasserwerke ohne Strom – und Städte bleiben ohne Wasser, selbst dort, wo die Leitungen selbst unbeschädigt sind. Das Ausmaß des diesjährigen Programms gehört zu den größten seit Beginn der umfassenden Invasion, und man versucht, diese Verwundbarkeit noch vor Beginn der neuen Heizperiode zu beheben.
Autonome Wasserversorgung für Gemeinden: die Zahlen des Projekts in 14 Oblasten
Im Rahmen der Resilienzpläne wurden gleichzeitig 29 Projekte zur Modernisierung der Wasserversorgung gestartet. Das ist vorgesehen:
- 29 Projekte werden gleichzeitig in 14 Oblasten der Ukraine umgesetzt;
- fast 900 Kilometer Wasserleitungen werden gebaut oder modernisiert – laut Kuleba entspricht das etwa der Entfernung vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt des Landes;
- über 4.000 Einheiten moderner Ausrüstung werden an Objekten der Wasserwerke installiert;
- die neuen Kapazitäten bringen zusätzlich mindestens 45 MW, und die Pumpanlagen können 3–4 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag fördern;
- eine zuverlässige und redundante Wasserversorgung erhalten über 10 Millionen Ukrainer.
Warum die redundante Wasserversorgung für Gemeinden zur Überlebensfrage wurde
Die Logik dahinter ist einfach und zugleich schmerzhaft. Die meisten Wasserwerke in der Ukraine hängen bislang von einer einzigen Energiequelle ab: Fällt der Strom am Umspannwerk aus, stehen die Pumpen still – die Stadt ist ohne Wasser, selbst wenn kein einziges Geschoss die Wasserleitung selbst getroffen hat. Die vergangenen Heizperioden haben diese Verwundbarkeit deutlich gezeigt: Schlangen mit Kanistern und herangefahrenes Wasser wurden für Dutzende Städte zum gewohnten Bild. Diesmal setzt man deshalb nicht auf das Ausbessern einzelner Rohre, sondern auf die Notstromversorgung der Wasserwerke selbst und den Übergang von einer Ein-Quellen-Struktur zu einem stabilen, redundanten System, das Stromausfälle beliebiger Dauer aushält. Im Grunde erhalten die Wasserwerke damit dasselbe Prinzip, das die Energiewirtschaft schon im zweiten Jahr rettet – Redundanz statt der Hoffnung, dass es einen nicht trifft.
Was das für die Bauindustrie bedeutet
Hinter den trockenen Zahlen verbirgt sich ein enormer Umfang an Ingenieurarbeiten: Verlegung von Wasserleitungen, Montage von Pumpstationen, Installation von Generatoren und Reservoirs – all das in knapper Zeit, bis zum Winter. Für Bau- und Ingenieurunternehmen, die mit Objekten der kommunalen Infrastruktur arbeiten, bedeutet das eine neue Welle von Ausschreibungen über Prozorro gleichzeitig in 14 Oblasten – und zugleich höhere Anforderungen an Geschwindigkeit, Qualität und Erfahrung des Ausführenden, denn es bleibt keine Zeit zum Anlaufen. Das ist eine Chance für Auftragnehmer mit einschlägiger Erfahrung, ihren Ruf an Objekten zu bestätigen, die öffentliche Auftraggeber besonders genau prüfen werden.
Jeder neue Kilometer Wasserleitung ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Land lernt, nicht nur schnell, sondern auch vorausschauend zu bauen. SpecServis, das seit 1999 genau mit Objekten der technischen und kommunalen Infrastruktur arbeitet, kennt den Wert einer solchen Widerstandsfähigkeit gut – wenn das Wasser aus dem Hahn nicht davon abhängt, ob Strom im Netz ist.
Quelle: Interfax-Ukraine

