Während manche Städte noch ihre Verluste zählen, lernen andere, neu zu leben — schneller, sauberer und ohne Verkehrsunfälle. In Lwiw ging es genau darum drei Tage lang: fünfhundert Menschen versammelten sich unter einem Dach, um eine einzige Frage zu beantworten — wie wird die urbane Mobilität ukrainischer Städte aussehen, wenn der Krieg vorbei ist? Das ist keine rhetorische Frage: Von der Antwort hängt ab, ob das Land bereits zu Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen europäische Verkehrsstandards erfüllt.
Warum das Urban Mobility Forum in Lwiw so viel Aufmerksamkeit erregte
Am 7. und 9. September war der Veranstaltungsort Lem Station in Lwiw Gastgeber des Urban Mobility Forum — bereits die vierte Ausgabe und, dem Umfang nach zu urteilen, die bisher ambitionierteste. Das Forum brachte Vertreter der Zentralregierung, der Kommunalverwaltungen, europäischer Institutionen, internationaler Organisationen und der Wirtschaft zusammen — alle, die dafür verantwortlich sind, wie sich Ukrainer in ihren Städten bewegen.
Das ist keine gewöhnliche Konferenz über Busse und Oberleitungsbusse. Der Wiederaufbau von Straßen und Brücken ist nur die halbe Arbeit. Die andere Hälfte sind die Standards und Systeme, nach denen diese Straßen und Straßenzüge künftig funktionieren. Die Ukraine steuert bereits auf den EU-Beitritt zu, was bedeutet, dass der städtische Verkehr europäische Kriterien erfüllen muss, lange bevor die Verhandlungen abgeschlossen sind.
Fakten: Termine, Teilnehmer, Themen des Forums
- Termin: 7.–9. September 2026
- Ort: Lem Station, Lwiw
- Teilnehmerzahl: rund 500 Fachleute
- Organisatoren: das Netzwerk CIVINET Ukraine und der Stadtrat von Lwiw
- Hauptthemen: Einbindung der Städte in das TEN-T-Verkehrsnetz, das Vision-Zero-Konzept (null Verkehrstote), Digitalisierung kommunaler Dienstleistungen nach dem Smart-City-Prinzip, Ausbau der geteilten Mobilität, Übergang von Pilotprojekten zum flächendeckenden Einsatz autonomer Verkehrsmittel
- Unter den Teilnehmern und Partnern: die Aktiengesellschaft Elektron, Uklon Inclusive, das Unternehmen Kobalt, das kommunale Unternehmen Lwiwelektrotrans, EasyPay, MicroGis und Toka
- Parallel zum Forum lief an allen drei Tagen eine Ausstellung von Elektrofahrzeugen, Kommunaltechnik und Partnerständen
- Am ersten Tag sprach Ruslan Illichow, Generaldirektor des Arbeitgeberverbands der Ukraine, auf der Hauptbühne
TEN-T und Vision Zero: eine neue Sprache für den Wiederaufbau der Städte
Der eigentliche Sinn des Forums liegt nicht in den Zahlen, sondern in der Art, wie die Frage überhaupt gestellt wird. Vision Zero ist kein Slogan, sondern eine konkrete Methodik: Straßen so zu gestalten, dass ein Unfall schlicht nicht tödlich enden kann. TEN-T ist kein abstraktes Netz, sondern die Route, auf der ukrainische Fracht und Reisende ohne unnötige bürokratische Hürden durch Europa gelangen können.
Wenn diese Themen auf derselben Bühne wie die Bürgermeister von Frontgemeinden und Gemeinden im Hinterland zur Sprache kommen, bedeutet das eines: Der Wiederaufbau wird zunehmend nicht als Flickwerk an Schlaglöchern verstanden, sondern als Chance, gleich eine Infrastruktur zu bauen, die den Standards von morgen entspricht und nicht denen von gestern. Für die Bewohner bedeutet das ganz konkrete Dinge: einen Oberleitungsbus, der pünktlich kommt, eine Haltestelle, die für einen Rollstuhlfahrer zugänglich ist, und eine Kreuzung, die so gestaltet ist, dass ein Fahrer physisch keine tödliche Geschwindigkeit erreichen kann.
Auch die begleitende Ausstellung von Elektrofahrzeugen und Kommunaltechnik auf dem Forumsgelände war keine bloße Kulisse. Zu sehen war genau die Technik, die kommunale Betriebe bereits für den täglichen Einsatz testen und beschaffen — die auf der Bühne vorgestellten Ideen haben also eine reale Chance, viel schneller auf die Straßen zu gelangen, als es scheinen mag.
Während die einen Brücken und Straßen wiederaufbauen, lernen andere, Straßen zu entwerfen, auf denen niemand sterben muss. Auch das ist Teil des großen Wiederaufbaus des Landes — vielleicht sein wichtigster Teil, denn genau solche Entscheidungen bestimmen, wie ukrainische Städte in zehn Jahren aussehen werden.
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Quelle: Stadtrat von Lwiw

