21.09.2026

Baustoffe werden teurer: Zement und Bewehrungsstahl treiben die Kostenvoranschläge nach oben

Ein im Frühjahr abgestimmter Kostenvoranschlag passt im Herbst schon nicht mehr zu den Rechnungen der Lieferanten – und das ist kein Buchhaltungsfehler, sondern die Folge eines Baustoffpreisanstiegs, der dieses Jahr im ganzen Land an Fahrt aufgenommen hat. Seit Anfang 2026 sind die Preise für wichtige Baustoffe je nach Kategorie um 30 bis 50 % gestiegen, und das Tempo nimmt weiter zu.

Für die Baubranche, die den Wiederaufbau von Schulen, Krankenhäusern und Straßen auf ihren Schultern trägt, ist das keine Zeile in einem Wirtschaftsbericht, sondern ein tägliches Rätsel. Öffentliche Auftraggeber legen ihr Budget im Voraus fest, Bauunternehmen kalkulieren ihren Kostenvoranschlag zu den Preisen, die zum Zeitpunkt der Angebotsabgabe auf Prozorro gelten – und während das Vergabeverfahren läuft, steigen die Preise weiter. Am Ende verlieren beide Seiten: Die Gemeinde riskiert, zum ausgeschriebenen Betrag kein einziges Angebot zu erhalten, das Bauunternehmen riskiert, das Projekt mit Verlust zu übernehmen.

Der Baustoffpreisanstieg in Zahlen

Wie stark genau, zeigen die Daten des staatlichen Statistikamts: Die Erzeugerpreise der Industrie, zu der auch Baustoffe gehören, stiegen im Jahresverlauf um 39,1 %. Im April erreichte die Industrieinflation mit 40,2 % im Jahresvergleich ihren Höchststand der vergangenen zwölf Monate.

In konkreten Zahlen sieht das so aus:

  • ein Standardsack Zement mit 25 kg kostet im September durchschnittlich 180-200 Hrywnja;
  • gewöhnlicher Ziegel kostet etwa 14-18 Hrywnja pro Stück;
  • am stärksten gestiegen ist Bewehrungsstahl – die Grundlage jeder Stahlbetonkonstruktion, vom Schulfundament bis zur Deckenplatte eines Krankenhausflügels;
  • im zweiten Quartal 2026 verteuerten sich Neubauwohnungen im Jahresvergleich um 20,5 % – der stärkste Anstieg seit fünf Jahren, wobei Baustoffe eine der Hauptursachen sind;
  • Hersteller warnen, dass die Kosten für Materialien und technische Anlagen bis Jahresende je nach Kategorie um weitere 10-20 % steigen könnten.

Warum der Kostenvoranschlag schneller «davonläuft» als das Vergabeverfahren

Es liegt nicht nur an der allgemeinen Inflation. Auf die Preise von Zement, Ziegel und Walzstahl wirken gleichzeitig Logistik, Energiekosten und Wechselkurs. Branchenverbände der Baustoffhersteller warnen unumwunden: Jede zusätzliche Erhöhung der Transporttarife schlägt sich automatisch im Preis der Fertigprodukte nieder und legt sich auf einen ohnehin hohen Erzeugerpreisindex. Und da die meisten öffentlichen Bauausschreibungen nicht an einem einzigen Tag abgeschlossen werden, kann die Differenz zwischen dem Preis zu Beschaffungsbeginn und dem Preis zum Zeitpunkt der Materiallieferung erheblich ausfallen.

Was das für öffentliche Bauausschreibungen ändert

Für ein Bauunternehmen, das mit öffentlichen Aufträgen arbeitet, ist die Schlussfolgerung einfach: Ein heute erstellter Kostenvoranschlag kann sich in wenigen Monaten als zu niedrig erweisen – nicht wegen eines Rechenfehlers, sondern wegen des Marktes. Erfahrene Unternehmen bauen bereits Preisanpassungsmechanismen in ihre Verträge ein und versuchen, die Kosten wichtiger Positionen – Zement, Bewehrungsstahl, Stahlkonstruktionen – schon bei der Angebotsvorbereitung festzuschreiben, statt erst nach dem Zuschlag.

Für Gemeinden und öffentliche Auftraggeber lautet die Schlussfolgerung anders: Bei der Budgetplanung für Schulen, Krankenhäuser und Straßen lohnt es sich, von vornherein einen Puffer für steigende Baustoffkosten einzuplanen, statt den Kostenvoranschlag erst während des Projekts anzupassen – sonst riskiert eine ausgeschriebene Ausschreibung schlicht, zum alten Preis keinen Auftragnehmer zu finden. Besonders spürbar ist das für Gemeinden außerhalb der Großstädte, wo die Zahl der Bauunternehmen, die bereit sind, das Risiko zu einem Festpreis einzugehen, ohnehin begrenzt ist.

Der Wiederaufbau des Landes geht trotz dieser Herausforderungen weiter – er verlangt jetzt nur eine genauere Kalkulation. Bei SpecServis gehört das seit Langem zur täglichen Arbeit: vorausrechnen statt nachträglich.

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Quelle: MY.UA

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